Die Herstellung der Speichen beginnt der Stellmacher damit, die Rohspeichen, die im Lager vollständig ausgetrocknet sind,
grob, mit einem Beil, zu eine vierkantigen Stab zurecht zu hauen. Er benutzt dazu das Stellmacherbeil, welches nur eine
rechts liegende Schneide besitzt, und dessen Stiel kurz und nach rechts gebogen ist, damit man sich beim behauen von
Stangen, Klötzen und Keilen nicht die Finger an den Holzkanten verletzen kann.
Dann spannt der Stellmacher jeden Stab in die Hobelbank und richtet die spätere Vorderseite der Speiche ab,
d.h. er macht sie eben und glatt. Weiterhin sorgt er dafür, dass diese Seite winkelrecht zur Stärke der Speiche steht.
Als Werkzeug dient ihm zuerst der Schrubbhobel, der einen groben Span gibt.
Das eigentliche Abrichten geschieht mit dem Langhobel. Nachdem der Stellmacher alle 14 Speichen vorbereitet hat, legt er sie nebeneinander auf die Hobelbank, rückt sie an einem Ende mit einem Lineal gerade und mißt an den äußeren beiden die Länge des Zapfens, mit dem die Speiche in die Nabenlöcher eingelassen wird, ab.
Er überträgt diese Maß mit Lineal und Bleistift auf die dazwischenliegenden Speichen.
Dann spannt er sie zu zweit in die Bank ein und schlitzt sie mit der Säge.
Durch entfernen der Seitenteile entsteht das Blatt der Speiche. Diese letzten Schnitte, die quer zur Speiche verlaufen, werden nicht genau senkrecht zur Speiche geführt, sondern bilden einen stumpfen Winkel mit ihrer Vorderkante (siehe Bild).
Die Größe dieses Winkels, Gestemmschmiege genannt, richtet sich nach dem Sturz den das Rad aufweisen soll. Erst nach dieser Vorbereitung erhalten die Speichen ihre endgültige Form.
Der Stellmacher klemmt jede Speiche zwischen die eine Drehung erlaubenden Schneidehaken in die Bank ein. Mit dem scharfen Zug- oder Schneidemesser (siehe Bild) richtet er dann die Seitenflächen der Speichen zu.
An dem Ende, wo der Zapfen ist, bleibt die Speiche etwas stärker. Es bleibt im Querschnitt vierkantig, während der übrige Teil oval rundgeputzt wird. Nachdem der Stellmacher mit einer einfachen Schablone die Stärke der Speiche auf ihrer ganzen Länge geprüft hat, glättet er ihre Oberfläche mit einem Hobel und schließlich mit Sandpapier. Nun werden die Speichen in die Nabe eingesetzt. Zu diesem Zweck spannt der Stellmacher die Nabe in den Radestock (siehe Bild) so ein, dass die Vorderseite nach rechts zeigt. Durch die Bohrung der Nabe ist eine eiserne Achse gesteckt,
an der ein wichtiges Hilfsgerät, der Käffer (siehe Bild), befestigt ist.
Dieser dient dazu, den Sturz des Rades zu prüfen. Die Messund des Sturzes geschieht durch einen
am Käffer befindlichen Stift, dessen Abstand von den Speichen je nach der Stärke
des Sturzes verändert werden kann.
Der Stellmacher schlägt zuerst zwei Speichen ein und prüft ihren Sturz, indem er nach dem Käffer visiert. Dann erst folgen die anderen Speichen, deren Stellung er nach den ersten beiden einrichtet. Es wird immer ein Loch überschlagen um die Nabe möglichst gleichmäßig zu beanspruchen.
Der Bock, wie das "gespeichte" Rad genannt wird, wird aus dem Radestock herausgenommen und auf den Zapfen des Radbocks (siehe Bild) gesteckt. Mit dem Zollstock trägt der Stellmacher auf jeder Speiche ihre Länge von der Nabe bis zur inneren Kante der Felge ab. Schließlich nimmt der Stellmacher noch mit dem Zugmesser an der Vorderseite jeder Speiche auf Zapfenlänge etwas Holz weg. Dies hat ebenfalls seinen Grund im Sturz des Rades. Die Speichen stehen dadurch am Ende etwas höher als in der Mitte. Würde das Ende nicht, wie beschrieben, gerade gezogen werden, dann würden die Felgen nach innen kanten, ihre Vorderseite würde nicht in einer Ebene, sondern auf einem Kegelmantel liegen.
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